Stielpreis

Ratgeber für Floristinnen

Kalkulationsfaktor berechnen: was er in der Floristik enthält und welchen du brauchst

Kalkulationsfaktor berechnen: was im Faktor steckt, wie du ihn aus der BWA herleitest und welchen Faktor Kalkulationstrainer für die Floristik empfehlen.

Stand 15. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit · von Stielpreis, der Software für Hochzeitsfloristik

Den Kalkulationsfaktor berechnen heißt: Du suchst die Zahl, mit der du den Einkaufspreis deiner Ware multiplizierst, um auf den Nettoverkaufspreis zu kommen. Kalkulationstrainer Andreas Sudeck rät Floristinnen, ihn schrittweise auf 3,0 bis 3,3 anzuheben. Ein Beispiel: Ware für 66,90 € ergibt mit Faktor 3,0 einen Preis von 200,70 € netto.

Dieser Text erklärt, was im Faktor steckt und welchen du brauchst. Die Quote, an der du ihn prüfst, steht in Wareneinsatz berechnen und die 40-Prozent-Grenze, ein ganzer Strauß in Brautstrauß kalkulieren und die Warnung im Rechner in Faktor und Wareneinsatz-Warnung.

Was steckt im Kalkulationsfaktor?

Sudeck beschreibt die Herleitung in einem Interview mit dem Floristenverband Bayern. Du rechnest erst deinen Einkaufspreis plus die Kosten für Lieferung, Maut und Ähnliches. Dazu kommen die Personalkosten für die Verarbeitung und die Allgemeinkosten, daraus ergibt sich der Selbstkostenpreis. Auf ihn schlägst du die Handlungskostenpauschale und den Gewinn auf, den du brauchst. So entsteht der Nettoumsatz, den das Werkstück erwirtschaften muss (Floristenverband Bayern, 6. Juni 2024).

Im Faktor stecken also drei Dinge:

  • der Lohn fürs Binden,
  • die laufenden Kosten des Betriebs, zum Beispiel Miete, Fahrzeug und Kühlung,
  • dein Gewinn.

Der Grund, warum der Lohn in den Faktor gehört: Floristik unterscheidet sich von anderen Einzelhandelsbranchen durch die Verarbeitung. Du verkaufst kein Produkt aus dem Regal, du stellst aus Material ein Werkstück her. Sudeck: In diesen Werkstücken muss der Lohn direkt eingerechnet werden, und das geschieht durch einen höheren kalkulatorischen Grundwert.

Wie wird aus der Kette eine einzige Zahl?

Sudecks Kette hat mehrere Stufen: Einkauf, Bezugskosten, Personal, Allgemeinkosten, Handlungskosten, Gewinn. Der Faktor fasst sie zu einer Zahl zusammen. Umgekehrt gerechnet ist er der Nettopreis geteilt durch die Ware: 200,70 € ÷ 66,90 € = 3,0. Wichtig ist, was dahinter liegt. Ein Faktor von 3,0 sagt, dass du auf jeden Euro Ware zwei Euro bekommst, die deine Zeit, deinen Betrieb und deinen Gewinn tragen.

Auch den Einkauf planst du mit dem Faktor. Im Vortrag beim AELF Fürth-Uffenheim heißt es: Zielumsatz geteilt durch Faktor ergibt den Einkaufswert. Ein frei gewähltes Zahlenbeispiel mit 100.000 € Zielumsatz netto: Bei Faktor 3,0 darfst du Ware für rund 33.333 € einkaufen, bei 2,5 für 40.000 €, bei 3,3 für rund 30.303 €. Je höher der Faktor, desto weniger Ware brauchst du für denselben Umsatz.

Kalkulationsfaktor Floristik: welcher ist der richtige?

Es gibt keine Zahl, die für jeden Betrieb stimmt. Zwei Orientierungspunkte aus den Quellen:

WertWas dahinterstehtQuelle
2,0reicht nicht für ein positives BetriebsergebnisSudeck, Floristenverband Bayern, 2024
2,5entspricht genau 40 % Wareneinsatz, der ObergrenzeRechnung: 1 ÷ 0,40
3,0 bis 3,3Zielband, schrittweise anhebenSudeck, AELF Fürth-Uffenheim, 15. Juli 2026

Begründet wird das Band damit, dass Schnittblumen und Grün rund 70 % des Umsatzes bringen, aber einen hohen Verarbeitungsaufwand haben (AELF Fürth-Uffenheim). Dein eigener Faktor hängt von deinen Kosten ab. Deshalb beginnt Sudeck mit der BWA: Dort siehst du am Wareneinsatz, welchen Faktor du heute wirklich erreichst.

Kalkulationsfaktor berechnen: wie kommst du aus der BWA auf deinen echten Faktor?

Der Wareneinsatz in Prozent ist 1 geteilt durch den Faktor. Umgekehrt: 100 geteilt durch die Prozentzahl aus der BWA ergibt den Faktor, den dein Betrieb im Schnitt erreicht.

Wareneinsatz in der BWAEchter Faktor
45 %2,22
40 %2,50
36 %2,78
33,3 %3,00
30,3 %3,30

Die BWA mischt Werkstücke mit Ware, die du unverarbeitet verkaufst, und zählt die Verluste mit. Dein Durchschnitt kann deshalb unter dem Faktor liegen, den du in der Kalkulation eintippst. Wie du die BWA Schritt für Schritt liest, steht in Wareneinsatz berechnen und die 40-Prozent-Grenze.

Was kostet der Boho-Strauß bei Faktor 2,5, 3,0 und 3,3?

Der Brautstrauß Boho aus der Stielpreis-Beispielkarte kostet im Einkauf 59,73 €. Mit 12 % Verschnitt sind es 66,90 €.

FaktorNettopreismit 7 % USt
2,5167,25 €178,96 €
3,0200,70 €214,75 €
3,3220,77 €236,22 €

Je höher der Faktor, desto weniger der Ware im Verhältnis zum Preis. Wie du das prüfst, steht in Wareneinsatz berechnen und die 40-Prozent-Grenze.

Wie sieht der Faktor bei größeren Stücken aus?

Dieselbe Rechnung für zwei weitere Stücke mit Faktoren zwischen 2,0 und 3,3. Alle Preise sind eine Beispielrechnung mit geschätzten Großhandelspreisen aus dem Katalog, 12 % Verschnitt, netto:

FaktorTischgesteck (Einkauf 16,07 €)12 TischeTraubogen-Schmuck (Einkauf 138,70 €)
2,036,00 €432,00 €310,68 €
2,545,00 €540,00 €388,35 €
3,054,00 €648,00 €466,02 €
3,359,40 €712,80 €512,62 €

Bei Faktor 2,0 liegt der Wareneinsatz bei beiden Stücken bei 50 %, Stielpreis zeigt die Warnung. Der Abstand zwischen 2,5 und 3,3 beträgt beim Bogen 124,27 €, bei zwölf Tischen 172,80 €. Das ist die Spanne, über die du entscheidest, wenn du am Faktor drehst.

Warum rechnest du auf den Faktor keine Stunden obendrauf?

Ein häufiger Fehler: Du nimmst einen Faktor von 3,0 und rechnest zusätzlich zwei Stunden Binden. Die Zeit zahlst du dir damit zweimal aus, einmal im Faktor und einmal als Stundenlohn. Eine eigene Zeitposition ist nur bei Arbeit sinnvoll, die nicht im Werkstück steckt: Aufbau vor Ort, Dekorieren, Abbau. Diese Leistungen führst du als eigene Zeilen auf, wie in Lieferung und Aufbau als eigene Position berechnen beschrieben. Das hat auch steuerlich Gewicht: Nach unserer Steuerrecherche ist Aufbau vor Ort eine eigene Leistung und kein Teil des Straußes.

Ein Rechenbeispiel zeigt, wie sich das versteckt. Der Boho-Strauß bei Faktor 3,0 kostet 200,70 € netto. Rechnest du zwei Stunden à 45 € obendrauf, sind es 290,70 €, und der Wareneinsatz sinkt rechnerisch auf 23 %. Er sieht besser aus, weil die Stunden den Anteil der Ware verdünnen. Die Zahl sieht gesünder aus, ist aber doppelt gerechnete Zeit.

Häufige Fehler

  • Einen Faktor übernehmen, ohne die BWA zu lesen. Sudeck beginnt beim eigenen Betrieb, nicht bei einer fremden Zahl. Wer seinen Kalkulationsfaktor berechnen will, liest zuerst die eigene BWA.
  • Den Faktor auf einmal stark anheben. Er rät zu Schritten.
  • Faktor und Stunden addieren. Siehe oben.
  • Für alle Stücke denselben Faktor nehmen, ohne nachzurechnen. Prüfe jedes große Stück einzeln. Für größere aufwendige Werkstücke nennt Sudeck ein vorgefertigtes Kalkulationsblatt.
  • Nachlässe geben, ohne den Wareneinsatz zu prüfen. Ein Rabatt von 10 % auf einen Faktor von 2,7 bringt dich unter 2,5. Wie du einen Preis hältst, steht in Den Preis nennen, ohne zu rabattieren.
  • Ware ohne Verschnitt rechnen. Der Faktor trägt nur, was in der Basis steckt, siehe Verschnitt in der Floristik einrechnen.

So gehst du vor

Den Kalkulationsfaktor berechnen und prüfen läuft in vier Schritten:

  1. Schau in deine BWA und lies den Wareneinsatz in Prozent ab.
  2. Rechne daraus deinen echten Faktor: 100 geteilt durch den Wareneinsatz.
  3. Liegt er unter 2,5, hebe ihn schrittweise an, Sudeck rät zu Schritten statt einem großen Sprung.
  4. Kontrolliere bei jedem Werkstück den Wareneinsatz, bevor du den Preis nennst.

Der kostenlose Rechner nimmt dir Schritt 4 ab: Du trägst deine Einkaufspreise und deinen Faktor ein, Stielpreis rechnet Verschnitt, Preis und Wareneinsatz und warnt, wenn der Preis den Einkauf nicht trägt.

So sieht das in Stielpreis aus

Jede Werkstattkarte hat ein Feld „Faktor“ mit einem Info-Text, der Sudecks Rat zitiert. Du lädst das Boho-Beispiel, es steht auf 3,0. Du senkst auf 2,4: Der Preis fällt auf 160,56 € netto, der Wareneinsatz liegt bei 41,7 %, und Stielpreis warnt, dass dein Preis das Material nicht trägt. Der Faktor 2,5 ist die Schwelle, an der die Warnung verschwindet. Für Zeit, die dein Faktor nicht deckt, gibt es das Feld „Arbeitszeit extra“. Es steht standardmäßig auf 0. Und was du nach dem Blumeneinkauf behältst, steht unter dem Preis, bei Faktor 3,0 sind es 133,80 € für Arbeit, Laden und Gewinn.

Häufige Fragen

Wie berechne ich meinen Kalkulationsfaktor?
Teile 100 durch den Wareneinsatz in Prozent aus deiner BWA. Bei 36 % Wareneinsatz ergibt das einen Faktor von 2,78. Pro Werkstück ist der Faktor der Nettopreis geteilt durch die Ware.
Was ist der Kalkulationsfaktor in der Floristik?
Der Faktor ist die Zahl, mit der du den Einkaufspreis der Ware multiplizierst, um den Nettoverkaufspreis zu bekommen. In ihm stecken der Lohn fürs Binden, die laufenden Kosten des Betriebs und der Gewinn.
Welcher Kalkulationsfaktor ist in der Floristik üblich?
Kalkulationstrainer Andreas Sudeck rät, den Faktor schrittweise auf 3,0 bis 3,3 anzuheben. Ein Faktor von 2,0 reicht nach seiner Aussage nicht für ein positives Betriebsergebnis.
Muss ich Arbeitszeit zusätzlich zum Faktor berechnen?
Für Werkstücke nicht. Nach Sudeck gehört der Lohn der Mitarbeitenden direkt in das Werkstück und wird über den höheren kalkulatorischen Grundwert eingerechnet. Zusätzliche Stunden rechnest du nur, wenn dein Faktor sie nicht deckt.
Wo bekomme ich meinen echten Faktor her?
Aus deiner BWA und deiner Summen- und Saldenliste. Der Anteil des Wareneinsatzes am Umsatz zeigt dir, welchen Faktor du tatsächlich erreichst.

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